Forscherin im Labor

Neue Clinician-Scientists-Programme unter Federführung von Dresden und Erlangen

Forschungsförderung: Zwei Millionen für
Seltene Erkrankungen der Nieren und der endokrinen Organe

Bad Homburg v.d.H./ Bonn, 30.10.19. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) und die Eva Luise und Horst Köhler Stiftung für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (ELHKS) fördern die Einrichtung zweier Forschungskollegs. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden und das Universitätsklinikum Erlangen konnten sich im Rahmen der Ausschreibung mit ihren Konzepten für die Ausbildung von Clinician Scientists durchsetzen und erhalten für deren Umsetzung jeweils 1 Million Euro. Insgesamt haben sich mehr als die Hälfte aller medizinischen Fakultäten auf die Ausschreibung beworben.

Schwerpunkt in Dresden ist die Erforschung der seltenen endokrinen Erkrankungen, die unter Mitwirkung der am Projekt beteiligten Partner der LMU München und des Universitätsklinikums Würzburg vorangetrieben wird. Das Erlanger Forschungskolleg mit dem Fokus auf seltenen Nierenerkrankungen bindet die nephrologische Expertise der Partneruniversitäten Hamburg und Köln mit ein.

„Die standortübergreifende Zusammenarbeit war uns bei dieser Ausschreibung besonders wichtig, um die wegen der Seltenheit der Erkrankungen verteilte Expertise zu bündeln und so einen zügigen Transfer von der Forschung in die Patientenversorgung zu befördern“, erklärt Prof. Dr. Michael Madeja, wissenschaftlicher Vorstand der EKFS. An allen beteiligten Standorten werde daher im Rahmen strukturierter Clinician-Scientists-Programme wissenschaftlich hochtalentierten Ärzten die effektive Verbindung von klinischer Tätigkeit und Forschung ermöglicht.

„Seltene Erkrankungen wurden in der medizinischen Ausbildung und Forschung bisher nur randständig behandelt – mit dramatischen Folgen für die Betroffenen“, erklärt Prof. Dr. Annette-Grüters-Kieslich, Vorstandsvorsitzende der Eva Luise und Horst Köhler Stiftung: „Die Vielzahl hochkarätiger Bewerbungen, die wir auf die Ausschreibung erhalten haben, zeigt jedoch, dass die Universitätskliniken prinzipiell bereit sind, ambitionierten jungen Ärzten auch im Bereich der Seltenen Erkrankungen Karrierewege zu eröffnen und eine fundierte wissenschaftliche Qualifikation zu ermöglichen.“ Gezielte Forschungsförderung könne hier wichtige Impulse setzen und helfen, nachhaltige Strukturen für exzellente Forschung und einen schnellen Wissenstransfer zu etablieren, erläutert die renommierte Endokrinologin.

Die ausgewählten Standorte bieten ein umfassendes Betreuungs- und Ausbildungsangebot für insgesamt 12 Kollegiaten sowie eine individuelle Förderung ihrer wissenschaftlichen und klinischen Laufbahn.

Forschungskolleg der TU Dresden mit dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus zum Thema „seltene Hormon und Drüsenerkrankungen“ – Vernetzung mit den Universitätskliniken der LMU München und Würzburg

Erkrankungen der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-(HPA-)-Achse, auch Stressachse genannt, sind selten und ihre Symptome meist unspezifisch und schleichend. Dadurch werden eine rechtzeitige Diagnose und damit eine gezielte Therapie verhindert. Irreversible Organschäden, selten gar lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisungen sind die Folgen.

Portrait Angela Hübner
Prof. Dr. Angela Hübner (Foto: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden)

„Mit dem Clinician-Scientist-Programm haben wir uns das Ziel gesetzt, talentierte und motivierte Clinician Scientists heranzubilden, die die Versorgung von Patienten mit Erkrankungen der HPA-Achse und damit deren Lebensqualität verbessern können“, verdeutlicht Prof. Dr. Angela Hübner, stellvertretende Klinikdirektorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. „Durch die enge Vernetzung mit den Universitätskliniken der LMU München und Würzburg verfügen wir über große und gut charakterisierte Patientenkohorten, über angelegte Biobanken und neue diagnostische und therapeutische Technologien. Diese bieten den Ärzten ein optimal vernetztes Forschungsumfeld der Grundlagenwissenschaften und der klinischen Endokrinologie.“

Forschungskolleg des Universitätsklinikums Erlangen zum Thema „Seltene Nierenerkrankungen“ – Vernetzung mit den Universitätskliniken Köln und Hamburg-Eppendorf

Dieses Forschungskolleg soll sich spezifisch um die Ausbildung von jungen Clinician Scientists bemühen, die sich im Feld der seltenen Nierenerkrankungen sowohl klinisch als auch wissenschaftlich weiterbilden sollen. „Die patientenorientierte translationale Forschung und das Training von gut ausgebildeten klinischen Forschern, die in diesem Feld fundierte klinische und wissenschaftliche Fachkenntnisse ausbilden, hat sich gerade im Bereich der seltenen Nierenerkrankungen als schwierig herausgestellt“, erklärt Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Uni-Klinikums Erlangen. „Daher halten wir es für wichtig, vor allem in diesem Bereich ein strukturiertes Forschungs- und Ausbildungscurriculum für junge Kliniker vorzulegen, das den translationalen Aspekt von Patientenversorgung sowie klinischer Forschung und Grundlagenforschung miteinander kombiniert.“

Forscher des Universitätsklinikums Erlangen
Prof. Dr. Mario Schiffer (r.) und Prof. Dr. Michael Wiesener im Forschungslabor. (Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen)

Die Vernetzung mit zwei weiteren überregionalen Zentren, den Universitätskliniken Köln und Hamburg-Eppendorf, ermöglicht sowohl wissenschaftlichen als auch klinischen Austausch mit ausgewiesenen nephrologischen Abteilungen, in denen die Ausbildung von Clinician Scientists ebenso höchste Priorität hat.

Seltene Erkrankungen – Zahlen und Fakten

Eine Erkrankung gilt dann als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen daran leiden. Expertenschätzungen zufolge handelt es sich dabei um etwa 7.000 bis 8.000 Krankheitsbilder, die überwiegend genetisch bedingt sind und mit zumeist komplizierten Beschwerdebildern und schwerwiegenden Krankheitsverläufen einhergehen. Allein in Europa geht man von 30 Millionen Betroffenen aus, die meisten von ihnen sind minderjährig.

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) – Forschung fördern. Menschen helfen.

Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte. Die Stiftung wurde im Jahr 1983 von der Unternehmerin Else Kröner gegründet und zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Die EKFS bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Bis heute hat sie rund 1.780 Projekte gefördert. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell über 50 Millionen Euro ist sie eine der größten Medizin fördernden Stiftungen Deutschlands.

Die Eva Luise und Horst Köhler Stiftung für Menschen mit Seltenen Erkrankungen

Im März 2006 wurde auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Horst Köhler und seiner Frau Eva Luise Köhler eine Stiftung gegründet, die sich für Forschungsförderung im Bereich Seltener Erkrankungen engagiert. Der seit 2008 jährlich vergebene Eva Luise Köhler Forschungspreis gehört mittlerweile zu den etabliertesten Auszeichnungen in diesem Forschungsbereich. Darüber hinaus stärkt die Stiftung die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Medizinern und Patientenvertretern durch die Veranstaltung von Symposien und die Vergabe von Stipendien für klinische Forschung.

Pressekontakte

Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Bianka Jerke
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
+ 49 6172 8975-24
b.jerke@ekfs.de
Eva Luise und Horst Köhler Stiftung für Menschen mit Seltenen Erkrankungen
Sanna Börgel
+ 49 30 915 42 333
boergel@elhks.de