Eva Luise Köhler Lectures

Spitzenforschung allgemeinverständlich

Um Spitzenforschung einem breiten Publikum zugänglich machen, stellen unsere Preisträgerinnen und Preisträger ihre prämierten Forschungsprojekte im Rahmen der  Eva Luise Köhler Lecture vor:

 

Eva Luise Köhler Lecture 2020 – Prof. Dr. Martina Rauner und Dr. Ulrike Baschant

Dort, wo gestern noch Muskeln und Bindegewebe waren, ist heute plötzlich Knochen – was klingt, als sei es einer verstörenden Novelle Franz Kafkas entnommen, erleben die Betroffenen von Fibrodysplasia Ossificans Progressiva (FOP) als grausame Realität. Durch einen Gendefekt bilden ihre Körper bei der Wundheilung kein Narbengewebe, sondern Knochen. Selbst kleine Verletzungen können deshalb dazu führen, dass Gelenke plötzlich unbeweglich werden und sich der Körper langsam versteift.

Prof. Dr. Martina Rauner und Dr. Ulrike Baschant forschen am “Bone Lab” der Medizinischen Fakultät der TU Dresden zu seltenen Knochenerkrankungen. Sie stellten am 27. Februar 2020 in Berlin ihren vielversprechenden neuen Therapieansatz vor, der die fortschreitende Verknöcherung bei FOP hemmen, aber beispielsweise auch helfen könnte, Komplikationen bei der Implantation von Hüftgelenk-Endoprothesen zu vermeiden. Weitere Informationen zum Forschungspreis 2020 >>

Eva Luise Köhler Lecture 2019 – Prof. Dr. Björn Schumacher

Durch Umwelteinflüsse, wie UV-Licht oder Tabakrauch, aber auch durch ganz gewöhnliche Stoffwechsel-Nebenprodukte entstehen tagtäglich etwa zehntausend Schäden an der Erbsubstanz – und zwar in jeder einzelnen Zelle des menschlichen Körpers. Glücklicherweise sind früh in der Evolutionsgeschichte zelleigene Reparatursysteme entstanden, die solche DNA-Schäden entfernen. Wenn diese Reparatursysteme jedoch durch bestimmte angeborene Gendefekte, wie z. B. Xeroderma pigmentosum (XP) oder das Cockayne Syndrom (CS) nicht richtig funktionieren, hat das für die zumeist sehr jungen Patienten in vielerlei Hinsicht absolut dramatische Folgen.

Prof. Dr. Björn Schuhmacher arbeitet mit seinem Team am CECAD Exzellenzcluster für Alternsforschung an der Universität zu Köln an einem grundlegenden Verständnis dieser  DNA-Reparaturmechanismen. Am 26. Februar 2019 stellte er seine Forschung an Fadenwurm-Mutanten vor, durch die sich neue Perspektiven für die pharmakologische Behandlung progeroider Erbkrankheiten und vielfältige Erkenntnisse über die Geheimnisse des Alterns ergeben könnten. Weitere Informationen zum Forschungspreis 2019 >>

Eva Luise Köhler Lecture 2018 – Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch

Die Epilepsie ist eine der am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen des Kindesalters und stellt für die Betroffenen eine enorme Beeinträchtigung des täglichen Lebens dar. Zu den besonders schweren Epilepsien zählen medikamentenresistente epileptische Enzephalopathien (EE), die z.B. durch Mutationen im KCNA2 Gen verursacht werden können. Unterschiedliche Veränderungen in diesem Gen führen bei den Betroffenen zu generalisierten epileptischen Anfällen, die bereits im ersten Lebensjahr auftreten. Ihre geistige Entwicklung verläuft in der Regel massiv verzögert.

***Video folgt***

Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen stellte am 20. Februar 2018 in Heidelberg einen vielversprechenden neuen Ansatz für das Drug-Repurposing eines Medikamentes, das bislang nur für Multiple Sklerose zugelassen ist, vor. Damit stünde für Patientinnen und Patienten mit Mutationen im KCNA2-Gen erstmals ein wirksames Medikament zur Verfügung. Weitere Informationen zum Forschungspreis 2018 >>

Eva Luise Köhler Lecture 2017 – Prof. Dr. Michael Schmeißer

Das Phelan McDermid Syndroms (PMS) ist eine seltene neuronale Entwicklungsstörung, die mit autistischen Verhaltensweisen, Intelligenzminderung, Muskelschwäche und Epilepsie einhergeht und noch weitgehend unerforscht ist. Um die Erkrankung möglichst realitätsnah studieren zu können, arbeitet Prof. Dr. Dr. Michael Schmeißer mit seinem Team an winzige Organstrukturen, die Zellverbänden aus dem menschlichen Hirn ähneln und den gleichen Gendefekt aufweisen, der bei den Betroffenen zum PMS führt.

Prof. Dr. Dr. Michael Schmeißer erläuterte im Rahmen seiner Vorlesung am 1. März 2017 in Berlin, wieso die molekulare Charakterisierung dieses neuartigen humanen Modellsystems nicht nur wichtige Ansatzpunkte für künftige Therapien des PMS, sondern auch Erkenntnisse über die molekularen Ursachen von Autismus und Intelligenzminderung liefern könnte. Weitere Informationen zum Forschungspreis 2017 >>

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